Wer beim Spaziergang mit Brennnesseln in Berührung kommt, denkt meist zuerst an brennende Haut und juckende Quaddeln. Dabei steckt in dem verbreiteten Wildkraut ein vielseitiges Lebensmittel, das den Speiseplan mit Mineralstoffen, Vitaminen und einem kräftigen, spinatähnlichen Aroma bereichern kann.
Besonders überraschend ist die Verwendung als knuspriger Snack: Aus jungen Brennnesselblättern lassen sich mit wenig Öl leckere Chips zubereiten. Für einen gesundheitlichen Nutzen kommt es allerdings auf die verzehrte Menge und die Zubereitung an, während viele medizinische Anwendungen bislang vor allem auf langjähriger Erfahrung beruhen.
Was die Brennnessel als Lebensmittel auszeichnet
Die Große Brennnessel und die Kleine Brennnessel sind essbar, für die Küche werden bevorzugt junge Blätter und zarte Triebspitzen verwendet. Sie liefern unter anderem Kalzium, Magnesium, Kalium und Eisen sowie Vitamin C und Carotinoide, aus denen der Körper teilweise Vitamin A bilden kann.
Auch Eiweiß und Ballaststoffe gehören zum Nährstoffspektrum der Blätter. Eine lebensmittelwissenschaftliche Untersuchung zur Zusammensetzung roher und gegarter Brennnesseln zeigt, dass auch nach dem Blanchieren oder Kochen nennenswerte Nährstoffmengen erhalten bleiben.
Wie viel davon tatsächlich auf dem Teller landet, schwankt jedoch mit Standort, Erntezeit und Verarbeitung. Pauschale Vergleiche, nach denen Brennnesseln ein Vielfaches bestimmter Gemüse liefern, sind deshalb ohne Angaben zur untersuchten Probe und zur Bezugsmenge wenig aussagekräftig.
Weitere Hintergründe zur Pflanze bietet unser Beitrag über Herkunft, Inhaltsstoffe und Wirkung der Brennnessel.
Eisen und Vitamin C: Die ganze Mahlzeit zählt
Der Eisengehalt macht Brennnesseln zu einer interessanten Ergänzung einer pflanzenbetonten Ernährung. Der Körper nimmt pflanzliches Eisen allerdings anders und häufig schlechter auf als das Eisen aus Fleisch.
Vitamin C kann die Aufnahme von pflanzlichem Eisen verbessern, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung erläutert. Zu einer Mahlzeit mit gegarten Brennnesseln passen deshalb beispielsweise frische Paprika oder ein Salat mit Zitronendressing.
Eine kleine Portion Brennnesselchips liefert jedoch nur eine begrenzte Blattmenge und ersetzt keine Behandlung eines nachgewiesenen Eisenmangels. Wer sich dauerhaft erschöpft fühlt oder einen Mangel vermutet, sollte die Ursache ärztlich klären lassen.
Heilpflanze mit Tradition und begrenzten klinischen Belegen
Brennnesseln werden seit Langem auch als Heilpflanzen verwendet. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA nennt für bestimmte Zubereitungen aus Brennnesselkraut unter anderem die traditionelle Anwendung bei leichten Harnwegsbeschwerden und leichten Gelenkschmerzen.
Diese Einstufung beruht auf langjähriger Verwendung und ist kein gleichwertiger Ersatz für einen überzeugenden Wirksamkeitsnachweis durch hochwertige klinische Studien. Im Bewertungsbericht der EMA werden unter anderem kleine Teilnehmerzahlen und methodische Schwächen der bisherigen Untersuchungen beschrieben.
Auch die in Laboruntersuchungen beobachteten antioxidativen Eigenschaften von Pflanzeninhaltsstoffen lassen sich nicht unmittelbar in eine nachgewiesene Schutzwirkung beim Menschen übersetzen. Aus einer Portion Brennnesselchips kann deshalb keine gezielte Behandlung von Entzündungen oder anderen Erkrankungen abgeleitet werden.
Dass die Brennnessel als Nutz- und Heilpflanze Aufmerksamkeit verdient, wurde bereits mit ihrer Wahl zur Heilpflanze des Jahres 2022 deutlich.
Brennnesseln sammeln: Junge Blätter aus sauberer Umgebung
Für Chips eignen sich vor allem unbeschädigte, zarte Blätter aus dem oberen Bereich der Pflanze. Ältere, grobe Blätter und harte Stiele sind für diesen feinen Snack weniger angenehm.
Gesammelt werden sollten ausschließlich Pflanzen, die sich sicher bestimmen lassen. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein empfiehlt außerdem, Wildkräuter an stark befahrenen Straßen, Hundeauslaufwegen sowie an frisch gedüngten oder gespritzten Feldrändern stehen zu lassen.
Ein eigener, unbehandelter Garten kann eine geeignete Erntequelle sein. Pflücken Sie nur die benötigte Menge und lassen Sie ausreichend Pflanzen für Insekten und den weiteren Austrieb stehen.
Feste Gartenhandschuhe schützen beim Abschneiden und Sortieren vor den Brennhaaren. Auch beim anschließenden Waschen und Trocknen sollten die frischen Blätter noch mit Handschuhen oder einer Küchenzange angefasst werden.
Warum die Blätter nach dem Garen nicht mehr brennen
Das typische Brennen entsteht durch feine Haare, die bei Berührung brechen und hautreizende Stoffe freisetzen. Durch geeignete Verarbeitung, etwa Kochen, Blanchieren oder gründliches Erhitzen, verlieren die Blätter ihre brennende Wirkung.
Auch mechanisches Zerkleinern kann die Brennhaare zerstören, wie das österreichische Gesundheitsportal erläutert. Für das Chipsrezept werden die Blätter vollständig erhitzt und getrocknet; bloßes Abspülen reicht zur Vorbereitung für den direkten Verzehr nicht aus.
Rezept: Brennnesselchips aus dem Backofen
Für eine kleine Schale Chips werden nur wenige Zutaten benötigt. Die folgende Küchenvariante orientiert sich bei Temperatur und Backdauer an einem Brennnesselchips-Rezept des Bayerischen Rundfunks.
| Zutat | Menge |
|---|---|
| Frische junge Brennnesselblätter | Etwa 30 Gramm, je nach Größe für ein bis zwei Bleche |
| Zum Erhitzen geeignetes Raps- oder Olivenöl | Ein bis zwei Teelöffel |
| Feines Salz | Eine kleine Prise |
| Optional: mildes Paprikapulver | Etwas zum Würzen nach dem Backen |
Die Blätter verlesen, gründlich unter fließendem Wasser waschen und gut abtropfen lassen. Anschließend vorsichtig zwischen sauberen Küchentüchern trocken tupfen, bis möglichst keine Oberflächenfeuchtigkeit mehr vorhanden ist.
Den Backofen auf 150 Grad Umluft vorheizen und ein Blech mit Backpapier auslegen. Die Blätter mit einem Pinsel sehr dünn mit Öl bestreichen, nebeneinander ausbreiten und sparsam salzen.
Die Brennnesseln ungefähr zehn bis 15 Minuten backen, wobei die tatsächliche Dauer von Blattgröße, Restfeuchtigkeit und Ofen abhängt. Bereits nach etwa acht Minuten nachsehen und das Blech herausnehmen, sobald die Blätter durchgehend trocken und knusprig sind.
Die Chips kurz abkühlen lassen und nach Wunsch mit etwas Paprikapulver würzen. Sie schmecken pur oder als knusprige Ergänzung zu Suppe, Salat und Gemüsegerichten.
So werden die Chips knusprig statt bitter
Zu viel Feuchtigkeit und zu dicht belegte Bleche erschweren das Knusprigwerden. Die Blätter sollten sich deshalb möglichst nicht überlappen und nur mit einem dünnen Ölfilm überzogen sein.
Besonders dünne Blätter können rasch verbrennen und bitter schmecken, weshalb die Backzeit lediglich eine Orientierung bietet. Dunkelbraune oder schwarze Stellen sind kein erwünschtes Röstaroma, sondern ein Zeichen, die Hitze zu reduzieren oder das Blech früher herauszunehmen.
Feine Gewürzpulver werden am besten erst nach dem Backen zugegeben, damit sie nicht verbrennen. Entsprechende Hinweise zum Würzen und zur Aufbewahrung finden sich auch im Brennnesselchips-Rezept von Smarticular.
Frisch schmecken die Chips am besten. Reste erst vollständig auskühlen lassen und anschließend trocken und luftdicht aufbewahren, damit sie möglichst wenig Feuchtigkeit aufnehmen.
Wie gesund ist der fertige Snack?
Brennnesselchips können eine abwechslungsreiche Ergänzung sein, doch ihre Zusammensetzung unterscheidet sich von der frischer Blätter. Das Wasser verdampft beim Backen, während das zugegebene Öl den Energiegehalt erhöht.
Hitzeempfindliches Vitamin C bleibt bei der Verarbeitung nicht vollständig erhalten. Eine Untersuchung zur Nährstoffzusammensetzung gegarter Brennnesseln dokumentierte entsprechende Verluste, wobei sich ihre Ergebnisse nicht als genaue Verlustquote für das Backofenrezept verwenden lassen.
Mineralstoffe sind gegenüber Hitze beständiger, doch eine kleine Schale Blattchips bleibt mengenmäßig ein kleiner Snack. Wer Brennnesseln in größeren Gemüseportionen essen möchte, kann sie auch als Suppe oder wie Spinat zubereiten.
Wer Brennnesseln als Heilmittel nutzen möchte
Eine gelegentliche Verwendung als Gemüse ist von einer gezielten Anwendung als Arzneitee oder Extrakt zu unterscheiden. Hinweise zur traditionellen Nutzung finden Sie auch in unserem Beitrag über Brennnesseltee und seine Anwendung.
Wer wegen einer Herz- oder Nierenerkrankung nur begrenzt trinken darf, sollte keine eigenständige Durchspülungsbehandlung mit Brennnesselpräparaten beginnen. Für Schwangerschaft und Stillzeit empfiehlt die EMA die medizinische Anwendung wegen unzureichender Sicherheitsdaten nicht.
Bei bekannten Allergien gegen Brennnesseln muss auf die Verwendung verzichtet werden. Bei Arzneipräparaten sind zudem die jeweiligen Altersgrenzen und Anwendungshinweise zu beachten.
Fieber, Blut im Urin oder zunehmende Schmerzen beim Wasserlassen sollten ärztlich abgeklärt werden. Ein Heilpflanzentee darf in solchen Situationen eine notwendige Untersuchung oder Behandlung nicht verzögern.
Sechs Fragen und Antworten zur Brennnessel
Welche Teile der Brennnessel eignen sich für Chips?
Am besten passen junge, unbeschädigte Blätter aus dem oberen Pflanzenbereich. Harte Stiele und grobe ältere Blätter werden aussortiert.
Brennen Brennnesselchips beim Essen noch?
Vollständig erhitzte und getrocknete Blätter verlieren ihre brennende Wirkung. Frische Blätter sollten dagegen bis zur Verarbeitung mit Handschuhen oder einer Küchenzange angefasst werden.
Bei welcher Temperatur gelingen Brennnesselchips?
Für das beschriebene Rezept sind 150 Grad Umluft und ungefähr zehn bis 15 Minuten vorgesehen. Weil dünne Blätter schnell verbrennen, sollte bereits nach etwa acht Minuten nachgesehen werden.
Sind Brennnesseln eine gute Eisenquelle?
Sie können zur Eisenversorgung beitragen, wobei Gehalt, Portionsgröße und Aufnahme im Darm berücksichtigt werden müssen. Ein nachgewiesener Eisenmangel lässt sich mit einer kleinen Portion Brennnesseln nicht zuverlässig behandeln.
Kann ich die Brennnesseln einfach roh essen?
Unverarbeitete Blätter können mit ihren Brennhaaren Haut und Schleimhäute reizen. Für den Einstieg in die Wildkräuterküche ist eine gegarte Zubereitung deshalb die unkompliziertere Wahl.
Ist Brennnesseltee mit Brennnesselchips vergleichbar?
Nein, beim Tee gehen nur bestimmte Bestandteile in den Aufguss über, während bei Chips das Blatt mitgegessen wird. Medizinische Aussagen zu bestimmten Brennnesselpräparaten lassen sich deshalb nicht auf den Snack übertragen.
Autoren- und Quelleninformationen
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.







