Corona: Zunahme emotionaler Probleme bei Kindern
Die Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 und der durch das Virus ausgelösten Erkrankung COVID-19 haben zwar dazu geführt, dass inzwischen Hoffnung besteht, die Pandemie in den Griff zu bekommen, doch viele Menschen haben dadurch stark gelitten. Vor allem auch Kinder, wie ein neuer Bericht nun zeigt.
Homeschooling, Kontaktbeschränkungen, Angst vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2: Die Corona-Pandemie hat den Alltag von Kindern und Jugendlichen gewaltig auf den Kopf gestellt. Dies hat dazu geführt, dass sie deutlich unglücklicher wurden – und auch emotionale Probleme haben zugenommen.
Starke Belastung
Corona-Regeln wie Abstand halten und Kontakte beschränken, Homeschooling, Stress: Die Pandemie belastet viele Kinder und Jugendliche in Deutschland sehr.
Wie der aktuelle Präventionsradar 2021 der DAK-Gesundheit zeigt, fühlt sich jedes dritte Schulkind nicht ausreichend vor dem Coronavirus geschützt. Über die Hälfte aller Mädchen und Jungen wurde im vergangenen Jahr unglücklicher.
Und die Lebenszufriedenheit der Schülerinnen und Schüler sank im Durchschnitt um 21 Prozent. Gleichzeitig nahmen emotionale Probleme stark zu, heißt es in einer Mitteilung der DAK.
Grundlage der Studie ist eine großangelegte Befragung von rund 14.000 Schulkindern der Klassen fünf bis zehn an 90 Schulen in dreizehn Bundesländern (Hamburg, Bayern und das Saarland waren ausgenommen) im Schuljahr 2020/21 durch das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel (IFT-Nord).
Risiko für langfristige Gesundheitsprobleme senken
„Der starke Rückgang der Lebenszufriedenheit der Kinder und Jugendlichen ist erschreckend“, so Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Unsere Studie zeigt, wie sehr Corona das Leben der Schulkinder belastet. Dabei ist eine möglichst unbeschwerte Kindheit wichtig, damit die Mädchen und Jungen gesund groß werden. Wir müssen jetzt gegensteuern, um das Risiko für langfristige Gesundheitsprobleme im Erwachsenenalter zu senken.“
Auf einer Skala von null bis zehn bewerten die befragten Kinder und Jugendlichen ihre aktuelle Lebenszufriedenheit im Mittel mit 5,8 Punkten. Ihre aktuell empfundene Zufriedenheit liegt demnach um 21 Prozent unter dem Niveau von vor der Pandemie (7,3 Punkte). Bei den Jüngeren der Klassenstufe fünf und sechs ist der Verlust demnach mit 24 Prozent am stärksten.
„Für rund 58 Prozent der Befragten sank die Lebenszufriedenheit, für rund 24 Prozent hatte die Corona‐Situation keine Auswirkungen auf die Lebenszufriedenheit. Etwa 19 Prozent gaben eine gesteigerte Lebenszufriedenheit an“, heißt es im DAK-Präventionsradar.
Mehr Schulkinder mit emotionalen Problemen
Der DAK-Studie zufolge finden nur 56 Prozent der Kinder und Jugendlichen die Corona-Regeln an ihrer Schule angemessen. Ein Drittel fühlt sich nicht gut vor einer Ansteckung geschützt. Und ein Viertel empfindet die Maßnahmen als starke oder sogar sehr starke Belastung.
Die Kontaktbeschränkungen sowie der Wegfall von Angeboten wirken sich negativ aus: Jedes siebte Schulkind fühlt sich häufig niedergeschlagen und oft unglücklich – ein Drittel mehr als vor Corona.
Insbesondere Mädchen sind von zunehmenden emotionalen Problemen betroffen: In der aktuellen Befragung zeigen demnach 23 Prozent Symptome depressiver Störungen: Traurigkeit, geringes Selbstwertgefühl, Interessenverlust und sozialer Rückzug, deutlich mehr als im Vorjahr mit 18 Prozent.
Weniger Bewegung
„Die Corona-Situation stellt Jungen und Mädchen vor große Herausforderungen“, sagt Studienleiter Professor Reiner Hanewinkel vom IFT-Nord. Ein beunruhigendes Ergebnis ist für ihn vor allem die psychische Belastung der Mädchen.
„Sie waren schon vor der Krise emotional auffälliger als Jungen, dies scheint sich durch die Krise zu verstärken. Gleichzeitig sehen wir den Wegfall von positiven Aktivitäten wie organisierter Sport- und Bewegungsangebote, die zu einer Verringerung der psychischen Belastung beitragen können.“
Laut der Studie sind in Pandemie-Zeiten noch 34 Prozent der Jungen ausreichend körperlich aktiv, aber nur 24 Prozent der Mädchen. Der Anteil der körperlich Aktiven ist insgesamt im Vergleich zum Vorjahr um ein Fünftel gesunken. Die Mehrheit kommt nicht auf die wissenschaftlich empfohlenen 90 Minuten pro Tag.
„Das ist besorgniserregend, denn die Bedeutung von Bewegung für die psychische Gesundheit, ist immens“, erklärt Hanewinkel.
Entschleunigter Alltag bringt keine Entlastung
Beim Thema Homeschooling ergibt sich in dem Präventionsradar kein eindeutiges Meinungsbild. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Schulkinder kommt mit dem Distanzlernen sehr gut oder gut zurecht.
Etwa ein Viertel bewertet den eigenen Lernerfolg jedoch als mittelmäßig und rund ein Fünftel kommt mit dem Homeschooling nur schlecht oder sehr schlecht zu recht.
Die sogenannte Entschleunigung des Alltags durch die Corona-bedingten Schulschließungen bringt in Sachen Stress keine Entlastung: Fast jedes zweite Schulkind (45 Prozent) ist häufig oder sehr oft gestresst. Ältere Schülerinnen und Schüler fühlen sich deutlich häufiger gestresst als jüngere und Mädchen öfter als Jungen. (ad)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- DAK-Gesundheit: Corona: Schulkinder werden unglücklich, (Abruf: 22.05.2021)
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.