Die Bakterien im Darm haben einen weitreichenden Einfluss auf die Gesundheit – und laut einer aktuellen Forschungsarbeit könnten sie sogar die Wirkung wichtiger Medikamente beeinflussen und abschwächen.
In einer neuen Studie unter Beteiligung von Fachleuten der University of Pittsburgh wurde untersucht, wie Darmbakterien 127 gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR) gerichtete Arzneimittel beeinflussen. Die Ergebnisse sind in dem Fachjournal „Nature Chemistry“ nachzulesen.
Einfluss der Darmflora
Schon länger ist bekannt, dass Medikamente nicht bei allen Menschen gleich wirken. Faktoren wie Alter, genetische Veranlagung und Ernährung spielen eine Rolle. Ein weiterer entscheidender Faktor rückt nun in den Fokus: Die Darmflora.
Um zu untersuchen, wie Darmbakterien bestimmte Medikamente beeinflussen, stellten die Forschenden eine synthetische Gemeinschaft aus 30 häufig vorkommenden Darmbakterien zusammen und testeten, wie diese auf 127 verschiedene GPCR-wirksame Medikamente reagierten.
Darmbakterien bauen Medikamente ab
Dabei stellte sich laut dem Team heraus, dass 30 der untersuchten Medikamente durch die Bakterien verstoffwechselt wurden, wobei zwölf der Arzneimittel besonders stark abgebaut wurden.
Ein besonders auffälliger Fall war das Medikament Iloperidon, das zur Behandlung von Schizophrenie und bipolarer Störung eingesetzt wird. Hier zeigte sich, dass ein spezifischer Bakterienstamm (Morganella morganii) den Wirkstoff in andere chemische Verbindungen umwandelte und ihn so inaktivierte – sowohl im Labor als auch in Tierversuchen.
Konsequenzen für die Medizin
Diese Erkenntnisse könnten weitreichende Folgen haben. Sie unterstreichen, wie individuell die Wirksamkeit von Medikamenten sein kann und wie wichtig es ist, die Darmflora bei der Therapieplanung zu berücksichtigen.
Langfristig könnte das Wissen um bakterielle Wechselwirkungen dazu beitragen, Medikamente gezielter zu entwickeln und individuell anzupassen. Allerdings betonen die Fachleute, dass weitere Untersuchungen nötig sind, um die Auswirkungen auf den Menschen besser zu verstehen.
Medikamente nicht eigenmächtig absetzen
Das Team fügt hinzu, dass es keinesfalls ratsam sei, einfach eigenmächtig Medikamente abzusetzen oder die Einnahme zu verändern. Stattdessen sollte man sich zu möglichen Wechselwirkungen ärztlich beraten lassen.
Lesen Sie auch:
- Wie Darmbakterien die Wirkung von Medikamenten beeinflussen
- Darmflora: Medikamente reichern sich in Darmbakterien an und verändern das Mikrobiom
- Antibiotika: Gegenmittel soll Darmflora bei Einnahme schützen
Einfluss auf die Ernährung
Nach Ansicht des Teams könnten die neuen Erkenntnisse auch für die Ernährung relevant sein. Die Forschenden vermuten, dass Darmbakterien nicht nur Arzneimittel, sondern auch bestimmte Lebensmittelbestandteile chemisch verändern.
„Wir haben zum Beispiel eine Reihe von sekundären Pflanzenstoffen in Mais identifiziert, die die Barrierefunktion des Darms beeinflussen können. Insbesondere haben wir beobachtet, dass die Darmflora uns möglicherweise vor diesen Phytochemikalien schützen kann, indem es sie entgiftet“, fügt der Studienautor Qihao Wu in einer aktuellen Pressemitteilung hinzu.
In Zukunft könnte das neue Wissen genutzt werden, um Medikamente besser auf das individuelle Darmflora abzustimmen und so deren Wirksamkeit und Sicherheit zu erhöhen. Weitere Forschung sei nun angebracht, um den Einfluss von Darmbakterien auf Ernährung und Arzneimittel genauer zu untersuchen. (as)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Qihao Wu, Deguang Song, Yanyu Zhao, Andrew A. Verdegaal, Tayah Turocy, et al.: Activity of GPCR-targeted drugs influenced by human gut microbiota metabolism; in: Nature Chemistry (veröffentlicht 03.04.2025), Nature Chemistry
- University of Pittsburgh: Some gut bacteria could make certain drugs less effective (veröffentlicht 03.04.2025), University of Pittsburgh
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.