Krafttraining steigert nicht nur die Muskelkraft, sondern kann offenbar auch vor neurodegenerativen Erkrankungen wie beispielsweise Demenz schützen. Schon nach wenigen Wochen mit regelmäßigem Krafttraining zeigen ältere Menschen deutliche Verbesserungen der kognitiven Fähigkeiten.
Ein Forschungsteam unter Beteiligung von Fachleuten der Texas A&M University hat die Auswirkungen von Widerstandstraining auf die Kognition und die Hirnanatomie älterer Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung untersucht. Die Ergebnisse sind in dem Fachjournal „GeroScience“ nachzulesen.
Muskeltraining gegen Hirnatrophie
Frühere Studien deuteten bereits darauf hin, dass Bewegung neuroprotektive Effekte haben kann, und die neue Untersuchung zeigt nun erstmals detailliert, wie sich Krafttraining auf die Gehirnstruktur auswirkt.
„Wir wussten, dass es körperliche Verbesserungen geben würde und die kognitiven Verbesserungen war auch vorstellbar, aber wir wollten die Wirkung des Krafttrainings auf die Gehirne älterer Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung genau bestimmen“, so die Studienautorin Isadora Ribeiro in einer aktuellen Pressemitteilung.
Die Studie umfasste 44 ältere Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung, die in zwei Gruppen aufgeteilt wurden: Eine Hälfte absolvierte zweimal pro Woche ein progressives Krafttraining, die andere Hälfte diente als Kontrollgruppe ohne sportliche Aktivität.
Alle Teilnehmenden wurden jeweils zu Beginn und am Ende der sechsmonatigen Studienphase unter anderem mittels MRT-Scans untersucht, um die möglichen Gehirnveränderungen zu erfassen.
Gedächtnisverbesserung & neuronale Schutzmechanismen
Nach sechs Monaten gezieltem Muskeltraining in moderater bis hoher Intensität zeigten die Teilnehmenden Schutzmechanismen gegen den Abbau bestimmter Hirnareale, der für Alzheimer typisch ist, berichtet das Team.
Die trainierende Gruppe hatte laut den Forschenden eine bessere verbale Erinnerungsleistung und zeigte zugleich weniger Atrophien in Hirnregionen wie dem Hippocampus und dem Precuneus, die eine zentrale Rolle im Verlauf von Alzheimer spielen.
Die Ergebnisse machen klar, dass sich Krafttraining zum Schutz vor Demenz beitragen kann, selbst bei Menschen, die bereits ein hohes Risiko für eine Erkrankung aufweisen, fügt die Isadora Ribeiro hinzu.
Krafttraining als kostengünstige Prävention
Die Studie verdeutliche das Potenzial von Krafttraining als nicht-medikamentöse Option zur Demenzprävention. Studienautor Marcio Balthazar ergänzt, dass die Integration von Sportprogrammen in das Gesundheitswesen eine effektive Strategie sein könnte, um Demenz langfristig vorzubeugen.
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Die Forschenden vermuten, dass körperliche Aktivität das Gehirn auf zwei Wegen schützt: Durch die Produktion von Wachstumsfaktoren, die Nervenzellen unterstützen, und durch eine Reduktion von entzündlichen Prozessen im Körper. Zukünftige Studien sollen nun klären, welche biologischen Mechanismen genau hinter den positiven Effekten stecken.
Fazit: Mehr Krafttraining
Die Erkenntnisse liefern starke Argumente dafür, Krafttraining in den Alltag zu integrieren – insbesondere für ältere Menschen mit erhöhtem Demenzrisiko. Zudem empfehlen die Fachleute, frühzeitig mit dem Training zu beginnen, um die positiven Effekte langfristig zu maximieren. (as)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Liara Rizzi, Gustavo B. P. Fernandes, Paula T. Fernandes, Fernando Cendes, Marcio L. F. Balthazar, et al.: Resistance training protects the hippocampus and precuneus against atrophy and benefits white matter integrity in older adults with mild cognitive impairment; in: GeroScience (veröffentlicht 02.01.2025), GeroScience
- Fundação de Amparo à Pesquisa do Estado de São Paulo: Weight training protects older people’s brains against dementia, study suggests (veröffentlicht 01.04.2025), Fundação de Amparo à Pesquisa do Estado de São Paulo
Wichtiger Hinweis:
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