Osteoporose entwickelt sich häufig über Jahre, ohne Beschwerden zu verursachen. Wenn ein Knochen schon bei einem harmlosen Sturz bricht, wird sichtbar, wie viel Stabilität das Skelett bereits verloren hat.
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für solche Brüche, doch Betroffene können viel für ihre Knochengesundheit tun. Dazu gehören gezielte Bewegung, eine ausreichende Nährstoffversorgung und die Vermeidung von Stürzen; bei erhöhtem Bruchrisiko kommen Medikamente hinzu.
Warum Knochen im Alter brüchiger werden
Knochen sind lebendiges Gewebe, das ständig umgebaut wird: Spezialisierte Zellen bauen alte Substanz ab und bilden neue. Überwiegt der Abbau dauerhaft, nehmen Knochenmasse und Belastbarkeit ab.
Bei Osteoporose verändert sich auch die feine Struktur im Inneren der Knochen. Deshalb geht es bei der Erkrankung um mehr als einen einzelnen Messwert: Entscheidend ist, wie gut ein Knochen alltäglichen Belastungen und einem möglichen Sturz standhält.
Ein gewisser Rückgang der Knochendichte gehört zum Älterwerden, ausgeprägte Knochenbrüchigkeit muss aber nicht als unvermeidliche Alterserscheinung hingenommen werden. Einen Überblick über die Erkrankung bietet auch unser Beitrag zu Symptomen, Ursachen und Behandlung der Osteoporose.
Frauen sind häufiger betroffen, Männer ebenfalls gefährdet
Nach den Wechseljahren beschleunigt der sinkende Östrogenspiegel bei vielen Frauen den Knochenabbau. Männer erkranken insgesamt seltener, können im höheren Alter jedoch ebenfalls eine behandlungsbedürftige Osteoporose entwickeln.
Zum Alter kommen weitere Risiken: Untergewicht, wenig Bewegung, Rauchen und ein hoher Alkoholkonsum können die Knochengesundheit beeinträchtigen. Frühere Knochenbrüche nach geringer Belastung und ein Hüftbruch bei Mutter oder Vater sind ebenfalls wichtige Hinweise für die ärztliche Einschätzung.
Bestimmte Erkrankungen und Medikamente erhöhen das Risiko zusätzlich, etwa eine rheumatoide Arthritis oder eine länger dauernde Behandlung mit Kortisonpräparaten. Wer solche Arzneimittel benötigt, sollte frühzeitig ansprechen, ob eine Untersuchung der Knochen sinnvoll ist.
Verordnete Medikamente sollten deshalb keinesfalls eigenständig abgesetzt werden. Die behandelnde Praxis kann prüfen, wie sich die notwendige Therapie mit einem geeigneten Schutz der Knochen verbinden lässt.
Diese Warnzeichen sollten ältere Menschen ernst nehmen
Osteoporose selbst verursacht meist keine Schmerzen, Knochenbrüche dagegen schon. Besonders häufig betroffen sind Wirbelkörper, außerdem können Brüche etwa an der Hüfte oder am Handgelenk auftreten.
Wirbelkörperbrüche bleiben teilweise unbemerkt und werden erst auf einer Röntgenaufnahme entdeckt. Hinweise können eine abnehmende Körpergröße, ein zunehmend gerundeter Rücken oder neu auftretende Rückenschmerzen sein.
Plötzliche starke Rückenschmerzen nach einer kleinen Belastung sollten gerade bei älteren Menschen zeitnah ärztlich abgeklärt werden. Auch ein Bruch nach einem Sturz aus normaler Stehhöhe ist ein Anlass, nach einer möglichen Osteoporose zu suchen.
Zur Diagnose gehört mehr als eine Knochendichtemessung
Am Anfang stehen Fragen nach bisherigen Brüchen, Stürzen, Erkrankungen und eingenommenen Medikamenten. Hinzu kommen eine körperliche Untersuchung und, wenn angezeigt, die Messung der Knochendichte.
Das etablierte Verfahren dafür ist die DXA-Messung, eine Untersuchung mit geringer Röntgenstrahlung an Lendenwirbelsäule und Hüfte. Ihr Ergebnis hilft, die Knochenfestigkeit und das Bruchrisiko einzuschätzen, ersetzt aber nicht die Betrachtung der gesamten gesundheitlichen Situation.
Blutuntersuchungen können Hinweise auf andere Ursachen einer gestörten Knochengesundheit liefern und bei der Auswahl einer sicheren Behandlung helfen. Dazu gehören je nach Befund beispielsweise Werte zum Kalziumhaushalt, zur Schilddrüse und zur Nierenfunktion.
Die DVO-Leitlinie empfiehlt, Frauen und Männern ab 70 Jahren eine Osteoporose-Diagnostik anzubieten, soweit sich daraus sinnvolle therapeutische Maßnahmen ergeben können. Bei besonderen Risiken oder verdächtigen Knochenbrüchen ist eine Abklärung bereits früher sinnvoll.
Bewegung schützt Knochen und erhält Selbstständigkeit
Regelmäßige Belastung gibt den Knochen einen Anreiz, ihre Stabilität zu erhalten. Gleichzeitig verbessert Training die Muskelkraft und die Fähigkeit, bei einem Stolpern das Gleichgewicht wiederzufinden.
Günstig sind Bewegungsformen, bei denen das eigene Körpergewicht getragen wird, sowie ein angepasstes Krafttraining. Gehen und Treppensteigen können dazu beitragen, ersetzen ein gezieltes Training von Kraft und Gleichgewicht aber nicht vollständig.
Schwimmen und Radfahren unterstützen Ausdauer und Muskulatur, setzen jedoch geringere direkte Belastungsreize für die Knochen. Sie sind deshalb eine sinnvolle Ergänzung, sollten bei Osteoporose jedoch möglichst mit weiteren geeigneten Übungen verbunden werden.
Warum ein aktiver Alltag bereits vor dem ersten Bruch wichtig ist, erläutert auch unser Beitrag über Bewegung zur Vorbeugung von Osteoporose. Welche Belastung passt, hängt unter anderem von bestehenden Brüchen, Begleiterkrankungen und der bisherigen Fitness ab.
Kraft und Gleichgewicht lassen sich auch im hohen Alter trainieren
Als Einstieg können beispielsweise das kontrollierte Aufstehen von einem stabilen Stuhl oder angeleitetes Training der Bein- und Rückenmuskulatur dienen. Das IQWiG nennt für geeignete Kräftigungsübungen mindestens zwei Trainingstage pro Woche.
Kurze Übungen für Gleichgewicht und Koordination lassen sich häufiger in den Alltag einbauen. Wer unsicher steht, braucht dabei eine feste Haltemöglichkeit und sollte die Übungen zunächst unter fachlicher Anleitung erlernen.
Nach Wirbelbrüchen oder bei ausgeprägter Osteoporose muss das Training besonders sorgfältig angepasst werden. Physiotherapie oder qualifiziertes Funktionstraining können helfen, die Belastung schrittweise zu steigern und riskante Bewegungen zu vermeiden.
Kalzium möglichst über Lebensmittel aufnehmen
Kalzium wird für die Stabilität der Knochen benötigt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen täglich 1.000 Milligramm, vorzugsweise aus Lebensmitteln.
Geeignete Quellen sind Milch, Joghurt und Käse, außerdem beispielsweise Grünkohl, Brokkoli und kalziumreiches Mineralwasser. Wer keine Milchprodukte verzehrt, kann auch entsprechend angereicherte pflanzliche Alternativen nutzen und sollte den Kalziumgehalt auf der Verpackung vergleichen.
Die Menge lässt sich oft durch die Kombination mehrerer Lebensmittel erreichen. Ein Viertelliter Milch liefert beispielsweise ungefähr 300 Milligramm Kalzium, hinzu kommen je nach Auswahl Käse, Gemüse oder Mineralwasser.
Kalziumtabletten sind vor allem dann zu erwägen, wenn die Ernährung die benötigte Menge nicht abdeckt. Weitere Anregungen bietet unser Beitrag darüber, wie sich das Knochenschwund-Risiko durch eine geeignete Ernährung verringern lässt.
Auch Eiweiß und ein ausreichendes Körpergewicht zählen
Eine knochengerechte Ernährung darf nicht auf Kalzium reduziert werden, denn ältere Menschen brauchen auch genügend Energie und Eiweiß. Besonders ungünstig ist es, wenn wenig Appetit, Gewichtsverlust und abnehmende Muskelkraft zusammenkommen.
Für Menschen ab 65 Jahren mit erhöhtem Bruchrisiko empfiehlt die DVO-Leitlinie mindestens ein Gramm Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht täglich. Bei einem Gewicht von 70 Kilogramm entspricht das etwa 70 Gramm Eiweiß, wobei bei bestimmten Erkrankungen, insbesondere der Nieren, individuelle Vorgaben zu beachten sind.
Eiweiß liefern beispielsweise Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Eier, Fisch und Tofu. Wer unbeabsichtigt abnimmt oder kaum noch ausreichend isst, sollte dies ärztlich abklären lassen und gegebenenfalls eine Ernährungsberatung nutzen.
Vitamin D: Versorgung sichern, hohe Dosen vermeiden
Vitamin D unterstützt die Aufnahme von Kalzium aus dem Darm und die Mineralisierung der Knochen. Der Körper bildet es überwiegend mithilfe von Sonnenlicht in der Haut, doch diese Fähigkeit nimmt mit dem Alter ab.
Besonders gefährdet für eine Unterversorgung sind Menschen, die ihre Wohnung kaum verlassen oder pflegebedürftig sind. Bei fehlender körpereigener Bildung nennt die DGE einen Schätzwert von 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 Internationalen Einheiten Vitamin D täglich.
Für Personen mit Osteoporose empfiehlt die DVO, eine ausreichende Versorgung sicherzustellen und bei Bedarf Präparate einzusetzen. Welche Menge im Einzelfall passt und ob eine Blutuntersuchung sinnvoll ist, hängt von der Versorgungslage und der geplanten Behandlung ab.
Eine zusätzliche Einnahme schützt ausreichend versorgte Menschen nicht automatisch vor Knochenbrüchen. Hoch dosierte Präparate sollten nicht auf eigene Faust eingenommen werden, weil eine Überdosierung unter anderem den Kalziumspiegel erhöhen und die Nieren schädigen kann.
Sturzschutz beginnt häufig in der eigenen Wohnung
Ein weniger brüchiger Knochen und ein vermiedener Sturz schützen auf unterschiedliche Weise vor einer Fraktur. Deshalb gehören sichere Laufwege, gute Beleuchtung, rutschfeste Schuhe und das Beseitigen loser Teppiche zu einer vernünftigen Vorbeugung.
Auch Sehprobleme, Schwindel oder Medikamente, die müde machen, können die Sturzgefahr erhöhen. Ein gemeinsamer Blick auf Beschwerden und Arzneimittel kann Möglichkeiten aufzeigen, sicherer durch den Alltag zu kommen.
Aus Angst vor einem Bruch sämtliche Bewegung zu vermeiden, kann dagegen einen ungünstigen Kreislauf auslösen. Wenn Muskeln und Gleichgewicht nachlassen, steigt die Gefahr weiterer Stürze.
Was im Alltag hilft – und wo die Grenzen liegen
| Maßnahme | Möglicher Nutzen | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Angepasstes Krafttraining | Stärkt Muskeln und belastet die Knochen | Regelmäßig trainieren und die Belastung individuell steigern |
| Gleichgewichtstraining | Verbessert Stand- und Gangsicherheit | Bei Unsicherheit mit Halt und unter Anleitung üben |
| Kalziumreiche Ernährung | Versorgt den Körper mit einem Baustoff für die Knochen | Für Erwachsene insgesamt etwa 1.000 Milligramm täglich anstreben |
| Ausreichend Vitamin D | Unterstützt Kalziumaufnahme und Knochenmineralisierung | Präparate nach Bedarf einsetzen und Überdosierungen vermeiden |
| Sturzschutz | Verringert vermeidbare Gefahren im Alltag | Wohnumgebung, Sehvermögen, Schwindel und Medikamente berücksichtigen |
| Osteoporose-Medikamente | Können bei entsprechender Indikation das Bruchrisiko senken | Nutzen, Nebenwirkungen und Behandlungsdauer ärztlich abwägen |
Wann Medikamente gegen Osteoporose sinnvoll sind
Bei einem deutlich erhöhten Bruchrisiko reichen Bewegung und Ernährung allein häufig nicht aus. Ob Medikamente empfohlen werden, hängt unter anderem von bereits erlittenen Brüchen, der Knochendichte, dem Alter und weiteren Risiken ab.
Häufig kommen Bisphosphonate zum Einsatz, die den Knochenabbau bremsen. Je nach Wirkstoff werden sie als Tablette oder Infusion gegeben, wobei die Anwendungsvorgaben und mögliche Einschränkungen durch Begleiterkrankungen zu beachten sind.
Eine weitere Möglichkeit ist der Antikörper Denosumab, der ebenfalls den Knochenabbau hemmt. Bei sehr hohem Bruchrisiko können je nach Zulassung und individueller Situation auch knochenaufbauende Wirkstoffe wie Teriparatid oder Romosozumab infrage kommen.
Der mögliche Nutzen einer Behandlung ist umso größer, je höher das persönliche Risiko für einen Knochenbruch ist. Gleichzeitig müssen mögliche Nebenwirkungen, die Nierenfunktion und bei bestimmten Arzneimitteln die Zahngesundheit berücksichtigt werden.
Therapiepausen müssen zum jeweiligen Medikament passen
Gerade bei Denosumab ist eine verlässliche Behandlungsplanung wichtig: Nach dem Absetzen kann der Knochenabbau stark zunehmen und das Risiko für Wirbelbrüche steigen. Eine Beendigung erfordert deshalb eine ärztlich geplante Anschlussbehandlung.
Auch nach knochenaufbauenden Therapien ist häufig eine anschließende Behandlung nötig, um den gewonnenen Effekt zu erhalten. Eine mögliche Therapiepause bei Bisphosphonaten lässt sich daher nicht einfach auf andere Osteoporose-Medikamente übertragen.
Nach einem Bruch muss auch die Ursache behandelt werden
Ein versorgter Knochenbruch beendet die Behandlung einer möglichen Osteoporose nicht. Gerade nach einer Fraktur bei geringer Belastung sollte geprüft werden, wie weitere Brüche verhindert werden können.
Bei Wirbelbrüchen helfen eine angepasste Schmerzbehandlung und Physiotherapie dabei, wieder beweglich zu werden. Längere Bettruhe kann den Abbau von Muskeln und Knochen fördern; die passende Belastung richtet sich deshalb nach Bruchform, Beschwerden und Heilungsverlauf.
Eine gute Behandlung zielt darauf, Schmerzen zu lindern, weitere Brüche zu vermeiden und möglichst viel Selbstständigkeit zu erhalten. Sie braucht Verlaufskontrollen, bei denen auch neue Stürze, die Verträglichkeit der Medikamente und praktische Schwierigkeiten im Alltag angesprochen werden.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Ein fiktives Beispiel: Die 76-jährige Frau Berger bricht sich nach einem Stolpersturz das Handgelenk und hält das zunächst für einen unglücklichen Zufall. Bei der weiteren Untersuchung werden eine deutlich verminderte Knochendichte und zusätzliche Risiken festgestellt.
Die Ärztin bespricht mit ihr eine medikamentöse Behandlung, während Frau Berger ein angeleitetes Kraft- und Gleichgewichtstraining beginnt. Gleichzeitig werden ihre Ernährung überprüft und Stolperfallen zu Hause beseitigt, damit mehrere vermeidbare Risiken gleichzeitig sinken.
Fachliche Grundlagen: DVO-Leitlinie zur Osteoporose, insbesondere die Kapitel zu Risikofaktoren, Diagnostik, Vorbeugung und Therapie; IQWiG: Osteoporose und Knochenbrüche; IQWiG: Bewegung und Sport; DGE: Kalziumund Vitamin D.
Sechs Fragen und Antworten zu Osteoporose im Alter
Kann Osteoporose auch ohne Schmerzen bestehen?
Ja, der Verlust an Knochenstabilität wird häufig lange nicht bemerkt. Schmerzen entstehen oft erst durch einen Bruch, wobei auch Wirbelbrüche ohne deutliche Beschwerden verlaufen können.
Sollten sich auch ältere Männer untersuchen lassen?
Ja, denn Männer können ebenfalls Osteoporose entwickeln. Ab 70 Jahren empfiehlt die DVO eine Diagnostik, wenn daraus sinnvolle Behandlungsmaßnahmen folgen können; bei besonderen Risiken kann sie früher angezeigt sein.
Reicht ein täglicher Spaziergang zum Schutz der Knochen aus?
Spaziergänge sind hilfreich und unterstützen einen aktiven Alltag. Für einen umfassenderen Schutz sollten nach Möglichkeit ein angepasstes Krafttraining und Übungen für das Gleichgewicht hinzukommen.
Müssen alle älteren Menschen Kalziumtabletten nehmen?
Nein, der Bedarf lässt sich häufig über die Ernährung decken. Eine Ergänzung sollte eine tatsächliche Versorgungslücke schließen und die bereits über Lebensmittel aufgenommene Menge berücksichtigen.
Kann Vitamin D allein eine Osteoporose behandeln?
Nein, eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung gehört zu den Grundlagen der Behandlung, ersetzt aber bei erhöhtem Bruchrisiko keine erforderliche Osteoporose-Therapie. Eine zusätzliche Einnahme bringt ausreichend versorgten Menschen nicht automatisch einen Schutz vor Brüchen.
Darf man Osteoporose-Medikamente absetzen, wenn es einem besser geht?
Eine Änderung sollte immer ärztlich abgestimmt werden, zumal sich die Knochenstabilität nicht am Schmerzempfinden ablesen lässt. Besonders bei Denosumab kann ein ungeplantes Absetzen das Risiko für Wirbelbrüche erhöhen.
Autoren- und Quelleninformationen
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.







