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Gesundheit: Cassia-Zimt kann deutlich mehr Cumarin enthalten als Ceylon-Zimt

Sebastian Dorn
Verfasst von Sebastian Dorn, Journalist
1. November 2026
in News
Zimt Übersichtsgrafik mit einer Auflistung der Inhaltsstoffe und Wirkung.
Zimt unterstützt unter anderem die Verdauung und regt den Appetit an. (Bild: heather-barnes/unsplash.com/eigene Bearbeitung heilpraxis.de)
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Lebkuchen, Zimtsterne und warmer Milchreis gehören für viele zur kalten Jahreszeit. Wer regelmäßig mit Zimt würzt, sollte allerdings auf die Sorte achten: Cassia-Zimt kann deutlich mehr Cumarin enthalten als Ceylon-Zimt.

Dieser natürliche Aromastoff kann bei empfindlichen Menschen insbesondere bei wiederholt hoher Aufnahme die Leber schädigen. Gelegentliches Weihnachtsgebäck ist deshalb anders zu bewerten als täglich große Mengen Cassia-Zimt oder die regelmäßige Einnahme von Zimtkapseln.

Cassia oder Ceylon: Worauf es beim Einkauf ankommt

Unter dem Namen Cassia-Zimt werden verschiedene Zimtarten zusammengefasst, die vergleichsweise hohe Cumaringehalte aufweisen können. Ceylon-Zimt enthält dagegen nur geringe Mengen.

Geschmacklich gilt Ceylon-Zimt als milder, während Cassia-Zimt meist etwas herber schmeckt. Weitere Unterschiede erläutert unser Beitrag zu Cassia- und Ceylon-Zimt und ihrem Cumaringehalt.

Bei Zimtstangen lässt sich die Sorte häufig am Aufbau erkennen: Ceylon-Zimt besteht aus mehreren dünnen, ineinandergeschobenen Rindenschichten, Cassia meist aus einer dickeren, eingerollten Schicht. Bei gemahlenem Zimt hilft dieser Vergleich nicht; wer Ceylon-Zimt kaufen möchte, sollte deshalb auf die ausdrückliche Sortenangabe achten.

Warum Cumarin die Leber belasten kann

Cumarin kommt natürlicherweise in verschiedenen Pflanzen vor, darunter Waldmeister, Tonkabohnen und bestimmte Zimtarten. Ein natürlicher Ursprung bedeutet jedoch nicht, dass ein Stoff in jeder Menge unbedenklich ist.

Aus der medizinischen Anwendung von Cumarin ist bekannt, dass empfindliche Personen mit erhöhten Leberwerten und in schweren Fällen mit einer Leberentzündung reagieren können. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) bilden sich solche Veränderungen nach dem Wegfall der Belastung in der Regel zurück.

Für die gesundheitliche Bewertung zählen die aufgenommene Menge, die Dauer des Verzehrs und die individuelle Empfindlichkeit. Aus dem gelegentlichen Genuss eines Stücks Lebkuchen lässt sich daher keine Gefahr für die Leber ableiten.

Was der Richtwert von 0,1 Milligramm bedeutet

Für Cumarin gilt eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge von 0,1 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht. Fachleute bezeichnen diesen Wert als TDI, abgeleitet von „Tolerable Daily Intake“.

Er beschreibt eine Menge, die nach der Risikobewertung lebenslang täglich aufgenommen werden kann, ohne dass gesundheitliche Beeinträchtigungen zu erwarten sind. Dabei zählt die gesamte Cumarinaufnahme, nicht eine gesonderte Menge für jedes Lebensmittel.

Körpergewicht Tolerierbare tägliche Cumarinaufnahme
15 Kilogramm 1,5 Milligramm
30 Kilogramm 3 Milligramm
60 Kilogramm 6 Milligramm
80 Kilogramm 8 Milligramm

Die Tabelle enthält aus dem TDI berechnete Orientierungswerte. Sie ist keine Verzehrempfehlung für Zimt oder Weihnachtsgebäck.

Zwei Gramm Cassia-Zimt können den Richtwert bereits erreichen

Das BfR nennt für Cassia-Zimt einen durchschnittlichen Cumaringehalt von etwa 3.000 Milligramm je Kilogramm Gewürz. Das entspricht drei Milligramm Cumarin pro Gramm Zimt.

Bei einem Erwachsenen mit 60 Kilogramm Körpergewicht ist der Richtwert damit bereits bei ungefähr zwei Gramm Cassia-Zimt erreicht. Bei einem Kind mit 15 Kilogramm reichen unter derselben Annahme etwa 0,5 Gramm.

Diese Mengen lassen sich nicht auf jede Packung übertragen, weil die Cumaringehalte erheblich schwanken können. Außerdem können weitere Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel zur Aufnahme beitragen.

Wie viele Lebkuchen oder Zimtsterne sind unbedenklich?

Eine pauschale Stückzahl wäre irreführend. Dafür müsste bekannt sein, wie groß das Gebäck ist, wie viel Cumarin es enthält und welche weiteren Quellen hinzukommen.

Für bestimmte zimthaltige Lebensmittel gelten gesetzliche Höchstgehalte, für Zimt als Gewürz dagegen nicht. Bei traditionellen beziehungsweise saisonalen Backwaren mit Zimt in der Kennzeichnung beträgt der Höchstgehalt beispielsweise 50 Milligramm Cumarin je Kilogramm Lebensmittel.

Dieser Höchstgehalt sagt jedoch nicht, wie viel Cumarin eine konkrete Packung tatsächlich enthält. Eine daraus berechnete Gebäckmenge wäre zudem keine Ernährungsempfehlung, denn Zucker- und Energiegehalt sind unabhängig davon zu berücksichtigen.

Was eine kurzfristige Überschreitung bedeutet

Wer an einem Adventswochenende mehr Zimtgebäck isst als sonst, muss daraus nicht auf eine Gesundheitsschädigung schließen. Nach Einschätzung des BfR ist eine leichte Überschreitung des TDI über ein bis zwei Wochen als unbedenklich anzusehen.

Das gilt ausdrücklich nicht für beliebig große Mengen. Vermeiden sollte man vor allem, über längere Zeit täglich viel cumarinreichen Cassia-Zimt aufzunehmen.

Zimtkapseln sind keine bewährte Diabetesbehandlung

Anders als gelegentliches Würzen ist die regelmäßige Einnahme von Zimtpräparaten zu bewerten, die mit Vorteilen für den Blutzucker beworben werden. Bereits am 29. März 2007 berichtete Stiftung Warentest auf test.de über behördliche Warnungen vor hohen Cumaringehalten bestimmter Präparate.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfiehlt Zimt in ihren Praxisempfehlungen von 2025 nicht als Bestandteil einer wirksamen Therapie bei Typ-2-Diabetes. Sie verweist auf überwiegend fehlende relevante therapeutische Effekte und erhebliche methodische Einschränkungen der untersuchten Studien.

Einzelne positive Studienergebnisse belegen somit keinen verlässlichen Nutzen der angebotenen Zimtkapseln zur Behandlung von Typ-2-Diabetes. Verordnete Medikamente sollten wegen solcher Präparate weder ersetzt noch eigenmächtig reduziert werden.

Was Werbeaussagen zum Blutzucker tatsächlich bedeuten

Nach Angaben der Verbraucherzentrale beziehen sich manche gesundheitsbezogenen Werbeaussagen auf zugesetzte Stoffe wie Chrom oder Zink. Sie belegen nicht, dass der enthaltene Zimt Diabetes behandelt.

Produkte mit Zimtpulver und Zimtextrakten können sich außerdem deutlich in ihrer Zusammensetzung unterscheiden. Bei manchen Präparaten kann bereits die empfohlene Tagesportion die tolerierbare Cumarinaufnahme überschreiten.

Wer Medikamente einnimmt und ein Zimtpräparat verwenden möchte, sollte dies wegen möglicher Wechselwirkungen ärztlich besprechen. Auch die Bezeichnung „Ceylon“ macht ein Nahrungsergänzungsmittel nicht zu einem für die Diabetesbehandlung zugelassenen Arzneimittel.

So lässt sich Zimt im Alltag bewusster verwenden

Wer regelmäßig Zimt ins Frühstück, in Getränke oder in Süßspeisen gibt, kann mit Ceylon-Zimt die Cumarinaufnahme verringern. Das ist auch für Familien sinnvoll, denn Kinder erreichen den Richtwert wegen ihres geringeren Körpergewichts bereits bei kleineren Mengen.

Weihnachtsgebäck lässt sich in kleinen Portionen genießen, ohne Zimt zugleich als Gesundheitsmittel einzusetzen. Bei Diabetes kommt es auf eine individuell abgestimmte Ernährung, Bewegung und gegebenenfalls Medikamente an.

Anregungen für einen aktiveren Alltag bietet unser Beitrag über körperliche Aktivität und die Vorbeugung von Typ-2-Diabetes.

Sechs Fragen und Antworten zu Zimt und Cumarin

Muss ich wegen Cumarin auf Lebkuchen verzichten?

Ein genereller Verzicht lässt sich aus den BfR-Empfehlungen nicht ableiten. Entscheidend ist vor allem, wie viel cumarinreicher Zimt über längere Zeit insgesamt aufgenommen wird.

Ist Bio-Zimt automatisch cumarinarm?

Die Bio-Kennzeichnung allein sagt nichts darüber aus, ob Cassia- oder Ceylon-Zimt enthalten ist. Wer auf einen niedrigen Cumaringehalt achten möchte, sollte nach der ausdrücklich angegebenen Sorte Ceylon suchen.

Lässt sich Ceylon-Zimt an der Farbe erkennen?

Bei gemahlenem Zimt lassen sich die Sorten mit bloßem Auge kaum zuverlässig unterscheiden. Aussagekräftiger ist die Sortenangabe auf der Verpackung.

Sind zwei Gramm Cassia-Zimt für jeden Erwachsenen unbedenklich?

Das lässt sich nicht pauschal sagen, denn das BfR-Beispiel bezieht sich auf 60 Kilogramm Körpergewicht und einen durchschnittlichen Cumaringehalt. Bei höheren Gehalten oder zusätzlicher Cumarinaufnahme ist der Richtwert früher erreicht.

Sind Zimtpulver und Zimtextrakte in Kapseln gleichzusetzen?

Nein, die Zusammensetzung und die Cumaringehalte können sich unterscheiden. Aus der angegebenen Menge eines Extrakts lässt sich deshalb nicht unmittelbar dieselbe Bewertung ableiten wie aus der Menge an Zimtpulver.

Können Zimtkapseln Diabetesmedikamente ersetzen?

Nein, ein ausreichend belegter Nutzen zur Behandlung von Typ-2-Diabetes fehlt. Auch cumarinarme Präparate sind dafür kein geeigneter Ersatz.

Autoren- und Quelleninformationen

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Sebastian Dorn

Sebastian Dorn

Autor – Sport, Ernährung und Psychologie Sebastian Dorn schreibt für Heilpraxisnet.de über Sport, Ernährung und Psychologie und darüber, wie die drei Themen zusammenhängen. Er wertet aktuelle Studien aus und ordnet ein, was sie für den Alltag bedeuten.

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