Zwar nahmen die berichteten Schmerzen während der Untersuchung insgesamt ab. Ob dafür tatsächlich Kurkuma verantwortlich war, bleibt wegen des Studienaufbaus offen.
Was die Forschenden miteinander verglichen haben
Die im Januar 2026 in Nutrients veröffentlichte Untersuchung umfasste 30 Erwachsene mit chronischen Schmerzen. Über insgesamt 21 Tage wurden küchenübliche Mengen Kurkuma mit und ohne schwarzen Pfeffer in einem zufällig zugeteilten Wechsel der Anwendungen geprüft.
Die Teilnehmenden berichteten ihre Schmerzen wiederholt auf einer Skala von null bis zehn. Im Verlauf gingen die Werte zurück, zwischen den beiden Anwendungen fand sich jedoch kein statistisch signifikanter Unterschied.
Eine zusätzliche Gruppe mit einem wirkstofffreien Placebo gab es nicht. Dadurch bleibt unklar, wie sich die Beschwerden ohne Kurkuma unter ansonsten vergleichbaren Studienbedingungen entwickelt hätten.
Weshalb die Hoffnung auf schwarzen Pfeffer eigentlich plausibel wäre
Kurkuma enthält verschiedene Curcuminoide, darunter den gelben Farbstoff Curcumin. Schwarzer Pfeffer wiederum enthält Piperin, das die Aufnahme und den Stoffwechsel anderer Substanzen beeinflussen kann.
Daraus entstand die verbreitete Vorstellung, die Kombination müsse gesundheitlich grundsätzlich stärker wirken. Eine veränderte Aufnahme im Körper und eine stärkere Schmerzlinderung sind jedoch verschiedene Aussagen, die jeweils passend untersucht werden müssen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat sich gerade deshalb mit Curcumin-Präparaten beschäftigt, denen Piperin zugesetzt wird. Eine erhöhte Bioverfügbarkeit kann neben erwünschten Effekten auch die gesundheitliche Bewertung und mögliche Risiken verändern.
Warum eine Schmerzabnahme allein noch keinen Wirkungsnachweis liefert
Chronische Schmerzen können im Verlauf schwanken. Schlaf, Belastung, Stimmung, körperliche Aktivität und die Erwartungen an eine Behandlung können beeinflussen, wie Beschwerden erlebt und berichtet werden.
Wer eine Untersuchung gerade in einer besonders belastenden Phase beginnt, kann später auch ohne spezifische Wirkung wieder günstigere Werte erreichen. Eine passende Vergleichsgruppe hilft, solche Veränderungen von einem zusätzlichen Behandlungseffekt zu unterscheiden.
Das bedeutet nicht, dass berichtete Besserungen eingebildet oder unwichtig wären. Die wissenschaftliche Frage lautet vielmehr, wodurch sie entstanden sind und ob sie sich unter denselben Bedingungen verlässlich wiederholen lassen.
Was ein Wechsel zwischen den Anwendungen leisten kann
Bei einer Untersuchung im Wechsel können dieselben Menschen unterschiedliche Anwendungen erhalten und miteinander vergleichen. Dadurch werden manche Unterschiede zwischen den Teilnehmenden weniger bedeutsam, weil eine Person gewissermaßen ihre eigene Vergleichsperson ist.
Gleichzeitig muss ausreichend berücksichtigt werden, ob Wirkungen der ersten Anwendung in die zweite Phase hineinreichen. Auch der Zeitpunkt der Messung und natürliche Veränderungen während der Untersuchung können den Vergleich beeinflussen.
Ein solcher Aufbau ist deshalb für bestimmte Fragen nützlich, beantwortet aber nicht automatisch alle Fragen zur Wirksamkeit. Die fehlende Placebogruppe bleibt auch bei einem Wechsel der Anwendungen eine relevante Einschränkung.
Kein nachgewiesener Zusatznutzen bedeutet nicht endgültig unwirksam
Mit nur 30 Teilnehmenden können kleine Unterschiede leicht unentdeckt bleiben. Das Ergebnis sollte deshalb als fehlender Nachweis eines Zusatznutzens im geprüften Rahmen beschrieben werden.
Es wäre ebenso ungenau, daraus die völlige Wirkungslosigkeit jeder Kurkuma-Pfeffer-Kombination abzuleiten. Andere Dosierungen, Zubereitungen und Beschwerdebilder müssten jeweils eigenständig untersucht werden.
| Frage | Was sich derzeit sagen lässt |
|---|---|
| Gingen die berichteten Schmerzen zurück? | Im Verlauf dieser Untersuchung ja. |
| War die Kombination mit Pfeffer überlegen? | Ein statistisch signifikanter Zusatznutzen wurde nicht gefunden. |
| Beweist die Untersuchung die Wirkung von Kurkuma? | Die fehlende reine Placebogruppe lässt diese Zuordnung offen. |
Gewürz und hoch konzentriertes Präparat sind verschiedene Produkte
Kurkuma wird als Gewürz, Pulver, Extrakt und in besonders aufnahmefähigen Zubereitungen angeboten. Diese Produkte unterscheiden sich darin, wie viel Curcumin sie enthalten und wie es dem Körper zur Verfügung steht.
Das NCCIH betont, dass verschiedene Formulierungen die Bewertung klinischer Ergebnisse erschweren. Für gesundheitliche Anwendungen gibt es nach seiner Einordnung noch nicht genügend Belege, um einen Nutzen von Kurkuma oder Curcumin für beliebige Zwecke sicher festzustellen.
Über die Pflanze und ihre Verwendung informiert der Beitrag zu Kurkuma, Inhaltsstoffen und Rezepten. Informationen zu Pfeffer helfen zusätzlich, die Kombination von der Wirkung ihrer einzelnen Bestandteile zu unterscheiden.
Mehr Aufnahme im Körper ist kein automatischer Sicherheitsvorteil
Nach Angaben des NCCIH können Kurkuma- und Curcumin-Präparate unter anderem Übelkeit, Reflux, Bauchbeschwerden und Durchfall auslösen. Für besonders gut aufnehmbare Formulierungen liegen außerdem Berichte über Leberschäden vor.
Das BfR weist darauf hin, dass bei Curcumin-Nahrungsergänzungen gesundheitlich akzeptable Aufnahmemengen überschritten werden können und zugesetztes Piperin die Bewertung erschwert. Ein konzentriertes Präparat sollte deshalb nicht allein wegen seines pflanzlichen Ursprungs als unbedenklich gelten.
Wer regelmäßig Medikamente einnimmt oder eine Lebererkrankung hat, sollte eine zusätzliche Anwendung vorher besprechen. Aus einer kurzen Untersuchung mit wenigen Menschen lässt sich keine umfassende Sicherheitsgarantie ableiten.
Chronische Schmerzen brauchen einen breiteren Behandlungsplan
Bei länger bestehenden Schmerzen sind die Ursache und die Auswirkungen auf Bewegung, Schlaf und Alltag für die Behandlung wichtig. Je nach Beschwerdebild können angepasste Bewegung, physiotherapeutische Maßnahmen, Medikamente und psychologische Schmerzbewältigung kombiniert werden.
Das NCCIH beschreibt für verschiedene Schmerzformen ergänzende Verfahren mit unterschiedlich guter Studienlage. Welche Maßnahme geeignet ist, hängt von der konkreten Erkrankung und der individuellen Situation ab.
Eine Kapsel sollte eine solche Behandlung nicht auf die Frage eines einzelnen Pflanzenstoffs verengen. Auch kleine Verbesserungen können sinnvoll sein, wenn sie verlässlich sind, den Alltag erleichtern und keine unverhältnismäßigen Belastungen verursachen.
Was sich für Verbraucher aus der Untersuchung ergibt
Die Kombination aus Kurkuma und schwarzem Pfeffer bleibt ein interessanter Forschungsgegenstand. Die aktuelle Studie liefert jedoch keinen belastbaren Grund, gerade diese Kombination wegen einer überlegenen Schmerzbehandlung zu kaufen.
Wer Kurkuma gern zum Kochen verwendet, kann sich an Geschmack und Verträglichkeit orientieren. Für therapeutische Erwartungen an ein konzentriertes Präparat zählen dagegen nachvollziehbare klinische Nachweise und eine individuelle Abwägung.
Quellen
Klinische Untersuchung zu Kurkuma mit und ohne schwarzen Pfeffer bei chronischen Schmerzen, Nutrients 18, Artikel 223, Januar 2026. Ergänzende Einordnung: NCCIH zu Kurkuma und Curcumin.
Weitere Quellen: BfR-Bewertung zu Curcumin und Piperin sowie NCCIH zu ergänzenden Verfahren bei chronischen Schmerzen. Recherchestand: 19. Oktober 2026.
Autoren- und Quelleninformationen
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.









