Polyphenolreiche Lebensmittel können offenbar die biologische Alterung signifikant bremsen. Durch antioxidative und entzündungshemmende Mechanismen fördern sie den Erhalt der Telomere, die als wichtiger Indikator der Zellalterung gelten. Besonders wirksam erscheinen Obst und Kaffee.
Inwiefern die Aufnahme von Polyphenolen die Länge der Telomere beeinflusst und welche Lebensmittel dabei eine besondere Rolle spielen, hat ein spanisches Forschungsteam in einer aktuellen Studie untersucht. Die Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Clinical Nutrition“ veröffentlicht.
Polyphenolreiche Ernährung stärkt die Gesundheit
Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in unterschiedlichen Formen und Konzentrationen über pflanzliche Lebensmittel aufgenommen werden. Allgemein gilt eine polyphenolreiche Ernährung als vorteilhaft für die Gesundheit, wobei positive Effekte bereits durch verschiedene Forschungsarbeiten belegt sind.
Beispielsweise berichteten Forschende in dem Fachmagazin „Scientific Reports“, dass eine polyphenolreiche Ernährung mit einer besserer Herzgesundheit verbunden ist, und eine vor rund zwei Jahren veröffentlichte Studie bestätigt, dass eine hohe Polyphenol-Aufnahme Entzündungen hemmt.
Auswirkungen auf die biologische Alterung?
Ob die Aufnahme von Polyphenolen auch die biologische Alterung beeinflusst, blieb bislang allerdings offen. Die Forschenden überprüften daher anhand von 1.665 Personen im Alter über 55 Jahren, inwiefern eine Verbindung zwischen der Polyphenol-Aufnahme und dem Risiko für eine verkürzte Telomerlänge besteht.
„Die Verkürzung der Telomere ist ein Kennzeichen des biologischen Alterns und kann durch oxidativen Stress sowie Entzündungsprozesse beschleunigt werden“, erläutert das Forschungsteam.
Für alle Teilnehmenden lagen Angaben zu ihrer Ernährung und Messungen der Telomerlänge vor. Als „kurze Telomere“ definierten die Fachleute dabei die untersten 20 Prozent der insgesamt gemessenen Werte.
Geringer Risiko kurzer Telomere
Die Datenauswertung ergab, dass eine höhere Gesamtaufnahme von Polyphenolen und eine höhere Aufnahme von Flavonoiden (spezielle Form der Pflanzenstoffe) mit einem geringeren Risiko für kurze Telomere assoziiert war, berichten die Forschenden.
Das Risiko sei bei den zehn Prozent mit der höchsten Aufnahme im Vergleich zu den zehn Prozent mit der niedrigsten Aufnahme um bis zu 49 Prozent geringer ausgefallen.
Zudem habe sich gezeigt, dass jede Erhöhung der Polyphenol-Gesamtaufnahme bei Teilnehmenden im Alter unter 64 Jahren mit einem geringeren Risiko für kurze Telomere assoziiert war, nicht jedoch bei Personen im Alter über 64 Jahren.
Kaffee & Obst besonders vorteilhaft
Unter den wichtigsten Quellen der Polyphenol-Aufnahme seien insbesondere der Kaffeekonsum und der Obstverzehr mit einer deutlichen Senkung des Risikos verkürzter Telomere verbunden.
Insgesamt lassen die Studienergebnisse darauf schließen, dass eine höhere Aufnahme von Polyphenolen zum Erhalt der Telomerlänge beitragen kann, wobei Kaffee und Obst offenbar eine besonders wichtige Rolle spielen. So scheint eine polyphenolreiche Ernährung die zelluläre Alterung beziehungsweise das biologische Alter signifikant zu bremsen. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Isabella Kury-Guzman, Amelia Martí del Moral, Zenaida Vázquez-Ruiz, Miguel Ángel Martínez-González, Maira Bes-Rastrollo, Guillermo Zalba, Cristina Razquin, Sonia García-Calzón: Dietary poly)phenol intake and risk of short telomeres in older adults: A prospective analysis; in: Clinical Nutrition (veröffentlicht 07.10.2026), sciencedirect.com
- Elliot R. Dryer-Beers, Jennifer Griffin, Paul M. Matthews, Gary S. Frost: Higher dietary polyphenol intake is associated with lower blood inflammatory markers; in: The Journal of Nutrition (veröffentlicht 11.05.2024), sciencedirect.com
- Emily P. Laveriano-Santos, Camila Arancibia-Riveros, Isabella Parilli-Moser, Sonia L. Ramírez-Garza, Anna Tresserra-Rimbau, Ana María Ruiz-León, Ramón Estruch, Patricia Bodega, Mercedes de Miguel, Amaya de Cos-Gandoy, Vanesa Carral, Gloria Santos-Beneit, Juan M. Fernández-Alvira, Rodrigo Fernández-Jiménez & Rosa M. Lamuela-Raventós: Total urinary polyphenols and ideal cardiovascular health metrics in Spanish adolescents enrolled in the SI Program: a cross-sectional study; in: Scientific Reports (veröffentlicht 14.09.2022), nature.com
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